• Mo. Jul 26th, 2021

Existenzspuren

Jedes Leben und jeder Gedanke hinterlassen ExistenzSpuren…

Bismillah.

Eigentlich sollte dieser Rückblick auf 2014 lang schon geschrieben sein, doch fällt er mir ziemlich schwer. Es war kein so gutes Jahr. Besonders meine Gesundheit ließ oft zu wünschen übrig. Häufig war ich erkältet, einige Male wurde sogar eine Bronchitis daraus, die mit Antibiotika behandelt werden musste. Die gesunde Zeit diente gerade mal zum sammeln neuer Kräfte.
Doch es war auch ein Jahr der Entscheidungen, begann es doch bereits zu Jahresanfang mit meinem Austritt aus der Partei Die.Linke. Nach 13 Jahren wurde dies für mich unumgänglich. Bis heute habe ich es nicht bereut, wenn sie auch nach dem Sieg in den Landtagswahlen interessante Möglichkeiten geboten hätte.

2014 war auch ein Jahr des Verlustes. Ein Freund, der seit meiner Kindheit mein Leben mehr oder weniger begleitete, verstarb nach kurzer, aber grausamer Krankheit. Einige Wochen vor der Diagnose traf ich ihn noch bei (äußerlich) bester Gesundheit. Er strahlte, da er endlich die Rente erreicht hatte und nun die freie Zeit genießen wollte…
Drei Monate später begleiteten wir ihn mit Tränen in den Augen auf dem letzten Weg… Sömmerda verlor einen großartigen Bürger, hervorragenden Krankenpfleger und erfahrenen Stadtrat. Seine Freunde dazu noch einen tollen Menschen, auf den man immer zählen konnte, wenn es nötig war. Und für seinen Ehemann, der für mich seit über 30 Jahren mehr Vater, als Freund ist, zerbröselte ein Leben in Millionen Stücke…

Schöne Momente gab es natürlich auch, wie zum Beispiel meine Fahrt nach Castrop-Rauxel in die Kasrevi – Dergah. Alhamdulillah, genau zum Beginn des Ramadan durfte ich endlich wieder dort sein, wo Allah ta’ala meinem Herzen und meiner Seele die meiste Ruhe schenkt. Auch wenn sich ohne Yarbay Efendi einiges verändert hat, waren es wieder wunderbare Stunden mit tollen Brüdern. Möge Allah ta’ala allen Geschwistern, welche die Tekke besuchen, bewußt werden lassen, was für einen großen Schatz sie da haben und bewahren müssen.

Toll war 2014 aber auch die Entwicklung unserer Maus. Alhamdulillah. Sie bekommt langsam eine große Klappe, wird täglich selbstständiger, auch wenn es noch Defizite gibt, die mir Sorgen machen. Trotzdem, alhamdulillah, sie wird langsam erwachsen. *grins

Ach ja, nicht vergessen darf ich auch den Ausflug nach Berlin, wo ich, alhamdulillah, einen mir sehr lieben Bruder treffen durfte. Wir kennen uns bereits seit vielen Jahren per Internet und ich lernte von ihm bisher bereits sehr viel über den Islam, aber besonders übers Kochen. Doch live hatten wir uns nie getroffen. An diesen Ausflug erinnere ich mich sehr gern, wenn er auch viel zu schnell vorüber war…

Ich möchte nicht alle Ereignisse des Jahres aufzählen, sondern dies Jahr einfach kurz zusammenfassen. Das habe ich grob getan, so dass mir nur bleibt, meinen Schmerz über die Entwicklung dieser Gesellschaft kund zu tun. Auch wenn die Worte immer öfter versagen, wenn ich den wachsenden Hass auf Muslime wahr nehme. Unter dem Mantel der „Islamkritik“ brodelt die Wut des enttäuschten Mittelstandes, dessen Ventil momentan noch Demonstrationen und die AfD darstellen. Noch…
Es schmerzt all die verzerrten „Kritiken“ täglich lesen zu müssen, besonders wenn sie an den Haaren herbei gezogen oder erfunden wird von Menschen, die nicht mal annähernd wissen, worüber sie reden…
Natürlich darf man Muslime kritisieren, denn jeder Mensch macht Fehler. Niemand ist frei von Sünden. Aber mittlerweile wird die Religion fast nur noch mit den einzelnen Gläubigen verwechselt oder gleichgesetzt.
Menschen, die selbst oft den Sinn für jeglichen Glauben verloren, setzen sich im Namen einer (falsch verstandenen) Aufklärung auf ein moralisches Podest. Selbst Christen, ob praktizierend oder nicht, geht scheinbar immer häufiger das Empfinden und der Respekt für das große Geheimnis ab.
Ich habe Angst davor, was aus dieser Gesellschaft wird. 2014 war das Jahr, im dem ich eine Ahnung bekam, wie es z. B. Brecht gegangen sein muss, als er schon vor 1933 den ausufernden, aggressiven Antisemitismus in Deutschland sah. Die Parolen, die Hassreden, sowie die ersten Übergriffe…

Möge Allah ta’ala mich bei der Beurteilung des Jahres irren lassen… Und möge Er (swt) uns davor bewahren, dass ich richtig liege…

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