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Existenzspuren

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Keine Alternative für Deutschland

Heute, am 04.Mai 2013, nahm ich hier in Erfurt an der Wahlkampfauftaktveranstaltung der neu gegründeten „Alternative für Deutschland“ teil.

Ich gestehe, dass mir das Wahlprogramm, so schwammig es auch noch sein mag, im Vorfeld zusagte. Es bietet noch eine Menge Raum sich als Mitglied einzubringen, dachte ich mir. Und eine Alternative zu den etablierten Parteien reizt mich immer, besonders jetzt, wo meine eigene Unzufriedenheit mit der Europäischen Union und deren Regulierungswut und erzwungene political correctness täglich wächst. Also warum nicht mal woanders orientieren?

Also ging ich heute zu der Wahlkampfauftaktveranstaltung der AfD. Nach zehn Minuten der ersten Rede verließ ich sie wieder, mit quitschenden Reifen und ein wenig fluchtartig… Aber von vorn…

Die Veranstaltung fand, welche Ironie, im DasDie/Brettl statt, welches für seine großartigen Travestieshows bekannt ist… Der Saal wirkte einladend, war relativ barrierearm und gut besucht. Eine Zahl anzugeben ist etwas schwierig, aber ich würde 80-160 Gäste schätzen. Angesagt als Hauptredner war ein Professor Schachtschneider, der sich jedoch um mehr als dreißig Minuten verspätete, so daß ich ihn nicht sehen konnte.

Erster (und für mich einziger Redner) war ein Herr Björn Höcke. Herr Höcke führte scheinbar nicht nur durchs Programm, sondern agierte auch als Motivator und „Scharfmacher“. Mit flacher Polemik führte er langsam ins Hauptthema der Partei, dem Euro und die Europäische Union, ein. Neben guten Ansätzen, wie der Betonung, dass niemand an einem freundschaftlichen und friedlichen Europa („Das gemeinsame Haus Europa“) etwas ändern wolle, schwankte er immer auf die rechte Schiene um. Er versuchte die Spagat zwischen verantwortungsvollen Europapolitiker, der sich um die wachsende Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland, Spanien usw. Sorgen macht und dagegen vorgehen möchte, und andererseits dem hardcore Konservativen, der keinen Cent seiner guten Steuermittel mehr in die Rettung der dortigen, misswirtschaftenden Banken stecken möchte. Soweit könnte ich mitgehen, wenn er nicht ab und zu mal das Wort Banken vergessen hätte und gleich dem ganzen Land die Schuld gegeben hätte… Absurd auch sein Vergleich, dass Griechenland angeblich bereits fünf Mal pleite war, während Preußen (sic!) nie pleite ging… Hä??? Hier vergleicht einer Äpfel mit Glühbirnen und unterschlägt, dass das heutige Preußen ebenfalls wirtschaftlich wohl kaum noch lebensfähig wäre… Platte Polemik, die ich noch ertragen hätte… Das Volk braucht so was und der Applaus bewies es…

Zweideutig, aber ebenfalls noch erträglich, weil  vielleicht falsch gedeutet, waren seine Aussagen, dass diese wirtschaftlichen schwachen Länder heute von der EU umerzogen werden sollen zur einer anderen Haushaltspolitik. Hat er nicht unrecht, doch gleich anzufügen, dass manche Mentalitäten und „Anthropologische Zusammenhänge“ nicht dazu geeignet sind, erinnerte mich doch stark an Sarrazins Rasse-Scheisse… Bzw. noch frühere Vergleiche kamen mir in den Sinn… Aber wie gesagt: Es war zweideutig und ich wollte nicht gleich vorverurteilen…

Der Ekel und der Fluchtreflex kam erst in mir auf, als er auf die Asylpolitik zu sprechen kam und feststellte dass Asylanten ja alle aus „archaischen Gesellschaften“ kommen… Anders gesagt: Ausländer sind blöde und primitiv… Da wurde mir wirklich übel und ich verließ den Saal…

Fazit: Plumpe rechte Polemik macht diese Partei nicht nur unwählbar, sondern verleidet mir auch jegliche Zusammenarbeit. Gute Ansätze sind eindeutig vorhanden, die richtigen Fragen zu Europa werden gestellt und das Potential in der Wählerschaft ist, denke ich, enorm. Doch diese diffuse, kaum greifbare Ideologie macht die ganze schöne Idee kaputt und wird, über kurz oder lang, mit Sicherheit auch zu enormen Personalfluktuationen innerhalb des Parteipersonals führen. Im Augenblick geht der Kurs auf Stimmenfang im ganz rechten Lager, wo nur noch die Wand das Rechte begrenzt… Ob sich das die intelligenteren Mitglieder und Unterstützer lange mit anschauen, wage ich zu bezweifeln…

5 Gedanken zu „Keine Alternative für Deutschland“
  1. Schade, dass Du den Vortrag von Prof. Schachtschneider nicht verfolgt hast. Zur Vorrede habe ich auch meine Vorbehalte. Schachtschneider hat es dann aber durchaus wieder glatt gebügelt.

    „Keine Alternative für Deutschland“ allein auf Grundlage einer unglücklichen Vorrede ist doch vielleicht etwas voreilig und oberflächlich.

    Einhalt muss den „großen“ Parteien geboten werden. Wie kann das aus Deiner Sicht gehen?

  2. Wie bereits bei Facebook gesagt: Der wirtschaftspolitische Ansatz der AfD ist ja nicht mal so schlecht. Man legt die Finger mitten in eine Wunde. Auf dieser Basis kann man Alternativen entwickeln, das bestreite ich nicht. Da setze ich mit meiner Kritik ja auch gar nicht an. Deshalb war ich ja sogar anwesend.
    Meine Kritik setzt am dumpfen Stimmenfang im rechten Lager an, was man am Besten durch zweideutige, extrem konservative bis rechtsradikale Phrasen erreicht: Volk, Heimat, archaische Gesellschaften usw. Die Frage ist doch: Hat die AfD so etwas nötig? Wie lange macht die intellektuelle Parteispitze so ein Geschwafel noch mit? Ihre Stärken liegen doch eigentlich in einer wirklichen wirtschaftlichen Kompetenz, dass muss man doch nicht durch Populismus verderben, oder?

  3. – ach Chris Shafik , Dein Kommentar ist sehr
    polemisch.“Volk und Heimat“ , mein Gott –
    wenn das für Dich „radikale Phrasen“ sind –
    dann sagt das doch schon genug über Deine
    Voreingenommenheit ! – sehr schwach !!!
    Ich verstehe nicht , wieso Du überhaupt zur Veranstaltung gegangen bist.
    Lass das doch bitte das nächste Mal – dann bleibt uns dann auch so ein seltsamer Kommentar erspart.

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