• Mi. Apr 14th, 2021

Existenzspuren

Jedes Leben und jeder Gedanke hinterlassen ExistenzSpuren…

Seit Jahren gibt es heftige Diskussionen um das sogenannte „Betreuungsgeld“. Bereits 2007 brachte Dieter Althaus, damals Thüringens Ministerpräsident, diese Idee ins Gespräch, da es zu wenig Kita-Plätze in Thüringen gab und die Schaffung neuer noch einige Zeit benötigte. Ich war zu dieser Zeit noch Stadtrat und mußte mich damit natürlich auch auseinandersetzen, da damit neue Kosten auf die Kommunen zukommen würden bzw. Einsparungen bei den Kitas gemacht werden müßten. Man befürchtete, dass Eltern aus bildungsfernen und sozialschwachen Schichten massenhaft ihre Kinder aus den Kindertagesstätten nehmen würden.

Ich sah es damals ebenso und habe bis heute meine Ablehnung nicht geändert, sondern vielleicht sogar noch verschärft. Warum ist das so:

  • Wir schon gesagt besteht die Gefahr, dass Kinder aus bildungsfernen und sozialschwachen Familien massenweise aus den Kitas genommen werden. Dies führt zu weniger Zuschüssen von Land und Kommune an die einzelnen Kindertagesstätten. Personal müßte eingespart werden, Weiterbildungen blieben auf der Strecke, sowie Sanierungsmaßnahmen und Neuanschaffungen von Spiel- und Lernmaterialien.
  • Die sogenannte „Herdprämie“: Es kann nicht auf der Höhe der Zeit sein, wenn Frauen wieder vom Arbeitsamt weggelockt werden. Ob der Feminismus lebt oder nicht, sollte jeder Mensch die gleichen Chancen haben seine Lebenspläne zu verwirklichen?

Die wichtigsten Argumente sind jedoch pädagogischer Art:

  • Kaum eine Familie vermag seinem Kind ein Bildungsangebot zu machen, wie es die Kindertagesstätten können. Selbst wenn die Mutter bzw. der Vater selbst Pädagogen sind, bin ich der Meinung, dass sie weder die Neutralität, noch die Zeit dafür aufbringen können.
  • Den Kindern entgeht ein gutes Stück soziale Kompetenz durch mangelnden Kontakt zu Gleichaltrigen. Gerade durch das Spiel mit anderen Kindern lernen sie Hilfsbereitschaft, Kontakte und Freundschaften knüpfen, Fairness gegenüber dem Schwächeren, Rücksichtnahme, Teilen, Kommunikation, Regeln befolgen, aber auch das gegenseitige Kräftemessen und die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen. Diese Liste ist bei weitem nicht vollständig. Soll sie auch gar nicht, denn es geht mir nur darum ein wenig dafür zu sensibilisieren, welchen Stellenwert das Zusammensein mit anderen Kindern hat.
  • Last but not least geht es darum, Fehlentwicklungen, aber auch Stärken des Kindes rechtzeitig zu erkennen und dem entgegen zu wirken. Dazu gehören u.a. Schwächen im sozialen, motorischen, aber auch im kognitiven (Denken), sprachlichen und kommunikativen Bereich. Als konkrete Beispiele seien nur kurz Berührungsängste mit anderen Menschen oder fehlerhafte Ausprache und Bau von Wörtern und Sätzen genannt.

Nach den Argumenten nun noch ein wenig Polemik. Nehmen wir all diese Faktoren, so kann man behaupten, das Betreuungsgeld in Anspruch zu nehmen bedeutet, die Zukunft des Kindes zu gefährden. Für 100, 150 oder 200 Euro pro Monat, verkauft man einen Teil der sozialen Fähigkeiten und Bildung des Kindes. Wie oft enden diese Kinder vor dem Fernseher, weil die Eltern überfordert sind? Und mal ehrlich: wieviele Eltern aus sozialschwachen und bildungsfernen Schichten würden das Betreuungsgeld wieder sinnvoll in ihr Kind investieren? Im besten Fall springt für das Kind das 500. sinnlose Spielzeug von MacDoof raus….
Klar wäre jede Familie froh über etwas mehr Geld, der Preis dafür ist mir zu hoch.

So, meine lieben Leser, nun sind Sie dran: kommentieren Sie, korrigieren Sie mich, bringen Sie neue, andere Argumente ins Spiel. Gern auch kritische Gedanken gegen die angeführten Argumente.

Weitere Informationen*:

Althaus zum Betreuungsgeld (2007)
Spiegel (1)
Spiegel (2)
Spiegel (3)

muslimehelfen – Betreuungsgeld

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* Für den Inhalt dieser externen Links übernehme ich keine Verantwortung.

2 Gedanken zu „Betreuungsgeld – Wenn das Geld wichtiger wird als die Zukunft des Kindes“
  1. Ein sehr schöner Blog und über das Betreuungsgeld lässt sich wahrscheinlich tagelang diskutieren. Es hat auch mir so einige Kopfschmerzen bereitet und ich habe der Debatte auch einen Blog gewidmet, der vielleicht Deine Gedanken ergänzt, denn das Betreuungsgeld ist nicht nur eine Frage, die das Wohl des Kindes betrifft, sondern auch eine Aussage über die Werte unserer Gesellschaft macht…

    Salam
    Emha
    http://www.muslimehelfen.org/blog/betreuungsgeld-wo-fuehrt-es-hin

  2. Ich möchte nur kurz kommentieren, mit einem Satz, den ein Blog-Kollege von mir dazu zu sagen hatte:
    „Welche Feministin hätte das gedacht, wir haben eine Frau als Kanzlerin, eine Frau als Arbeitsministerin und eine Frau als Familienministerin und was kommt raus: Eine Herdprämie!“
    Voll unterschrieben.

    Den ganzen Artikel findest du hier:
    http://www.blogigo.de/JOblogt/Fuer-eine-handvoll-Euros/1586/

    beste Grüße
    Deine Ex

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