• Mi. Mrz 3rd, 2021

Existenzspuren

Jedes Leben und jeder Gedanke hinterlassen ExistenzSpuren…



Auf meiner Facebook Pinnwand wurde ein Kommentar gepostet, in dem mir erzählt wird, wie böse und gemein der Islam (besonders der sunnitische Islam) gegenüber Behinderten und Frauen ist….

Denkst Du wirklich, dass die Konvertierung zum eher intoleranten sunitischen Islam eine Möglichkeit der Problembewältigung ist?

Über das Thema Islam und Frauen werde ich vielleicht noch ein anderes Mal mehr schreiben, aber jetzt möchte ich kurz über Islam und Behinderung etwas sagen. Aber dazu auch ein anderes Mal mehr und konkreteres.

Diese Aussage verletzt mich tief, weil sie von einem tiefen religiösen Hass und einer vollkommenen Unkenntnis des Islams zeugt. Man kann mich beleidigen, dass ist mir egal. Man kann Gerüchte verbreiten, das wird mich immer nur amüsieren. Aber so ein dummer, ungebildeter Vorwurf gegen meine Religion tut weh.

Seit ich 2005 konvertierte, habe ich, Allah sei Dank, sehr viele islamische Gruppen kennengelernt. Ich kenne Shiiten und Sunniten, diese kann man wieder in Sufis und „normale“ Muslime unterteilen, wenn man ein Schubladendenken braucht.

Doch eines hab ich nie kennengelernt: Muslime, die ein Problem mit einem behinderten Menschen haben. Nirgends. Nicht hier, nicht in NRW und nicht in Hessen. Im Gegenteil, sie bemühen sie für Allah um behinderte  und alte Menschen mit einer ungeheuren Liebe und Sensibilität. Gerade heute bekam ich durch jemand einen Youtube-Link zu einer Dokumentation, die derjenige, der diese Beleidigungen glaubt und verbreitet, mal anschauen sollte:

Seit der Quran offenbart wurde, ist die Hilfsbereitschaft gegenüber Behinderten und der besonderer „Status“ behinderter Menschen ein Teil des Glaubens. Schon darin werden Erleichterungen für behinderte und alte Menschen offenbart, und das diese Menschen, die von Allah teallah auf diese Weise geprüft werden, auch einen besonderen Rang haben. Nein, sie sind nicht besser, als andere, aber sie tragen eine größere Last. Und so werden Behinderte und Alte von Muslimen auch behandelt.

Ich bemühe an dieser Stelle gar nicht erst die Überlieferungen unseres Propheten (saws), da der heilige Quran schon alles offen ausspricht. Was wiegt mehr als Gottes offenbartes Wort?

Wer so etwas verbreitet lügt entweder hemmungslos oder er hat keine Ahnung was er erzählt. Im letzteren Fall kläre ich ihn sehr gern hier oder in einem persönlichen Gespräch auf.

Dann werde ich ihm beschreiben, wie oft man mich mit dem schweren Rollstuhl riesige Treppen hinauf und hinunter trug, nur damit ich am Gebet teilhaben konnte. Wie man extra wegen mir von Kassel nach Erfurt und von da nach Castrop-Rauxel (bei Dortmund) fuhr (und am nächsten Tag zurück), nur damit ich dort an einem Vortrag und am Gebet teilnehmen konnte. Wie niemand auch nur ein Wort gegen das lärmende Sauerstoffgerät sagte, was ich in der Nacht benötige. Oder wie oft ich sah, wie alte Leute getragen wurden, um beim Freitagsgebet anwesend sein zu können. Wie ein Mann seinen Sohn mit Downsyndrom mitbrachte und jeder sich um den jungen bemühte… Wie ein junger Mann, geistig stark zurückgeblieben, voller Respekt und Liebe behandelt wurde, auch wenn er Dinge tat, die sich in der Moschee nicht gehören…

Soll ich die Liste fortsetzen? Es wäre nicht schwer, denn ich erlebte viele derartige Situationen.

Ich kenne keine Religion, die sensibler mit behinderten Menschen umgeht. Man heuchelt kein Mitleid, sondern bringt denjenigen Respekt und Hilfsbereitschaft entgegen. Nicht für irgendjemand, sondern allein für Gott, für Allah teallah.

3 Gedanken zu „Islam und Behinderung…“
  1. dann lebe mal ein paar monate in pakistan, einer islamischen republik. dann weißt du, wie behinderte im sogenannten toleranten islam behandelt werden. sie werden versteckt und ausgestoßen. mädchen mit behinderung tötet man mit vorliebe, da sie eh keinen eheman bekommen. ein mensch mit behinderung in einem islamischen land zu sein, ist das größte unglück, was einer familie zustoßen kann, so denkt man in islamisch geprägten ländern!

  2. Es ist schade, dass man immer wieder kulturelle Missstände und Religion verwechselt. Kann es nicht sein, dass es in diesen Ländern durch die wirtschaftliche Situation so eine Barbarei entwickelt hat? Das dies mit Religion absolut nichts zu tun hat? Und mal ganz ketzerisch: Was glaubst, schlummert auch hier noch in vielen Kühlschränken? Glaubst du, diese deutschen Frauen hätten ihre gesunden aus Spaß umgebracht oder weil grad soviel Platz im Kühlschrank war? Da steckten wirtschaftliche und gesellschaftliche Ängste dahinter, die kaum nachfühlbar sind.

    Außerdem: Welches Recht hätten wir, auf andere zu zeigen? Noch 1960 wurden in Deutschland geistig behinderte Frauen (und wahrscheinlich auch Männer) zwangssterilisiert. Würde ich es mir leicht machen, würde ich alles auf die bösen Christen schieben… Sind da jetzt alle Katholiken schuld? Wenn du verneinst, staune ich: wir sind doch ein christlich geprägtes Land?

    Und noch eines: Ich kenne KEIN Land, was wirklich islamisch ist. Besonders nicht Pakistan, mit seiner US-Kriechenden-Haltung.

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