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Meine Kindheit oder Wie war die DDR? (1)

Eine am 15.05.2010 auf PHOENIX laufende, wenig neutrale Dokumentation über die DDR, nehme ich zum Anlass, um ein wenig über meine Kindheit und die DDR zu reflektieren. Vielleicht gelingt es mir auch einige Vorurteile und Fehlinformationen abzubauen, auf die ich auch heute noch immer sehr häufig treffe. Natürlich wird man es mir verzeihen müsse, dass ich aus meiner damals kindlich-frühreifen Wahrnehmung berichte.

Als die Wiedervereinigung kam, war ich 13 Jahre alt und bereits damals nicht gerade begeistert. Irgendetwas stieß mich damals bereits ab, wenn ich die Bilder der Ungarnflüchtliche und dann der West-Berlin stürmenden Ossis sah. Vielleicht verkläre ich es heute, aber ich fühlte mich als DDR-Bürger, auf dessen Schultern die Zukunft eines antifaschistischen Staates ruhen sollte. Wie oft wurde uns der Grund für Mauerbau und für das bestehenden System (noch heute) plausibel gemacht und uns erklärt, dass wir die Jugend seien, die die DDR brauche. Der Staat war meine Heimat und er würdigte das…

Meine Schulzeit von 1983 bis 1989/90 fand mit gewissen Abstand von der  üblichen ideologischen Schulprägung statt, die in den Klassen betrieben wurde. Aufgrund meine Behinderung war eine Lösung gefunden worden, die es mir erlaubte in den eigenen vier Wänden unterrichtet zu werden. Die Lehrer wanderten eben statt in das nächste Klassenzimmer eine Straße weiter in mein Zimmer.  Ich war in den Stundenplan der Schule voll eingetaktet und gehörte offiziell sogar zu einer Klasse, deren anderen Schüler ich aber bis heute kaum kenne.  Pädagogisch war das für meine Sozialisierung eigentlich kontraproduktiv, doch anders wäre Bildung für mich kaum möglich gewesen: die Schulen waren (wie leider heute meist auch noch) nicht barrierefrei, E-Rollstühle gab es 1983 nicht und die Brüchigkeit meiner Knochen ließen keine andere Möglichkeit offen…

Meine Familie war und ist relativ unpolitisch. Der politisch-aktive Familienteil verschwand mit der Scheidung meiner Eltern. Der Vater meines Erzeugers war Parteisekretär und sicherlich habe ich mein heutiges politisches Engagement von ihm geerbt.

Wie gesagt: meine Familie war und ist unpolitisch. So hatten wie nie auch nur die geringsten Schwierigkeiten mit der Staatssicherheit. Die Staatssicherheit war immer präsent, denn es war ein offenes Geheimnis, wer im Bekannten- oder Nachbarkreis dazu gehört. Als Überwachung haben wir das nie empfunden…

— Fortsetzung folgt —

2 Kommentare

  • Jörg

    Hi,
    auch wenn das vielleicht nicht hier hin passt: endlich mal ein richtig guter Blog. Viele Deiner Gedanken, Probleme und Gefühle kann ich nachvollziehen. Ich bin selber auch 33 und im Thüringer Wald aufgewachsen. Habe in Jena Sport/Geschichte/Philosophie studiert. Ich bin evangelisch getauft, aber habe mich von der Verlogenheit der christlichen Glaubensgemeinschaft abgewandt und mich anfangs intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt, aber auch mit einigen Naturreligionen und habe in den letzten Jahren einige islamisch geprägte Länder bereist. Dort hat mich vor allem die offenherzige und ehrliche Art mit der man mir begegnet ist beeindruckt. Seitdem beschäftige ich mich intensiver mit der Religion und der Geschichte sofern es mir meine Zeit gestattet.
    Viele Grüße nach Erfurt Jörg

  • Mirabilis

    Vielen Dank für das Kompliment!
    Wenn Du Fragen (vielleicht auch speziell zum Islam) hast, frag einfach. 🙂
    Ansonsten noch weiterhin viel Spaß auf meinen Existenzspuren. 🙂
    Und über Kommentare freue ich mich immer!

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