• Mo. Jul 26th, 2021

Existenzspuren

Jedes Leben und jeder Gedanke hinterlassen ExistenzSpuren…

Am 15.03.2019 kamen 50 Menschen bei einem Anschlag auf zwei Neuseeländische Moscheen um. Vermutlich rechtsradikale Täter drangen in Christchurch, Neuseeland, in ein Freitagsgebet ein und erschossen friedlich betende, wehrlose Menschen. Weitere 49 Menschen wurden verletzt. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/attentat-in-neuseeland-zahl-der-toten-in-christchurch-steigt-auf-50-a-1258242.html)

Eine grausame Tat, die weltweit Menschen schockierte und traumatisierte. Besonders, da der Täter die gesamte Gewaltorgie live ins Internet übertrug. Diese Dimension des Hasses und der Perversion hinterläßt auch in mir eine tiefe Traurigkeit und Verzweiflung. Auch ich bete dafür, dass die Opfer ins Paradies kommen und die Täter im Diesseits, sowie im Jenseits, harte Strafen erfahren werden.

Doch trotz aller Traumata muss man auch ansprechen, wie sich viele Menschen jetzt selbst zum Opfer machen und ihren eigenen Hass im Mantel der Trauer verbreiten.

Was lese ich eben? „Die Welt trauert nicht um Muslime.“ oder Schuldzuschreibungen an alle Christen, die angeblich Muslime hassen und töten wollen. Aus gerechtfertigter Trauer wird Hass, der das Werk des bzw. der Attentäter mit anderen Vorzeichen fortsetzt. Merken sie denn nicht, wie sie mit guten Absichten den Samen des Bösen in fruchtbaren Boden setzen und mit ihren Worten bewässern?

Nimmt man zum Beispiel dieses Manifest des Attentäters: Damals, nach Breivik, sprachen auch viele über diesen Terroristen und seinen schriftlichen „Nachlass“. Wir redeten drüber, teilten unser „Wissen“. Wozu führte es? Zu Nachahmern, wie in Christchurch oder hier in Deutschland. Schenken wir dem Bösen Aufmerksamkeit, verbreiten wir es auch.

„Die Welt trauert nicht um Muslime.“, wird in verschiedenen Varianten wiederholt. Je öfter man lügt, desto mehr wird die Lüge scheinbar geglaubt. Fällt es nicht auf, wie viele Politiker weltweit und besonders in Neuseeland, ihrer Trauer Ausdruck verleihen? Synagogen trauern, Moschee trauern, Kirchen, Staatsmänner und Staatsfrauen kondolieren…


Andere schieben „den Medien“ die Schuld in die Schuhe. Deren Anteil an der Schuld bestreite ich auch gar nicht, doch muss man dabei auch mal den eigenen Medienkonsum überprüfen. Wenn ich nur Boulevardpresse lese, wird mein eigener Horizont auch nicht den Boulevard überschreiten. Dabei haben wir heute die Möglichkeit uns über unzählige Quellen weltweit zu informieren. Nie war es einfacher sich differenzierte Informationen und Analysen zu besorgen. Aber machen wir uns die Mühe?
„Die Medien“, die wir verteufeln, leben von unserem Hass und Voyeurismus, denn nichts verkauft sich besser, als Gewalt, Tratsch und Sex. Mit jeder gekauften Zeitung, jedem geteilten Meme, jedem Link zu den Zeitungen, wie Bild oder Focus oder Stern usw., werden wir mehr ein Teil des Problems.

Das einzige Rezept gegen all diese Probleme, gegen den Hass, ist das Vorbild des Propheten, Friede und Segen auf ihn. Allen Anfeindungen setzte er (saws) Geduld und vorbildliches Handeln entgegen. Durch seine alltäglichen Handlungen überzeugte er die Menschen, die überzeugt werden konnten. Alle anderen ertrug er (saws) mit Geduld, bis Allah ta‘ala erlaubte, dass die Muslime sich wehren. Selbst dann gab es enge Regeln, die Gnade und Barmherzigkeit gegen Gewaltexzesse setzten.

Setzen wir das im Kleinen fort. Alltägliche Handlungen, wie eine Einladung zum Tee an den nicht-muslimischen Nachbarn oder das Anbieten eines Sitzplatzes in der Straßenbahn, sind mehr wert, als jede Schuldzuschreibung. Klären wir auf, statt unbedingt überzeugen zu wollen. Reden wir eine gemeinsame Sprache auf allen Ebenen. Hören wir auf zu verallgemeinern, wenn wir nicht verallgemeinert werden wollen.

Siehe auch: https://youtu.be/v4KFA40i-v4

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