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Jahresrückblick 2015

Bismillah

Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass mein üblicher Jahresrückblick sich mittlerweile um einige Wochen verspätet hat. Dieses Mal hat es jedoch keine gesundheitlichen Gründe, sondern das Jahr war einfach so komplex und voll, dass ich nicht weiß, wo ich beginnen soll…

Politisch täuschte mich meine Beurteilung von 2014 nicht, denn 2015 wurde alles noch schlimmer. Die Kriege in Syrien, Irak, Libyen, Afghanistan usw. lassen die Flüchtlingszahlen noch immer nicht schrumpfen. Wie auch, wo sich doch 2015 auch noch Russland aktiv in die Bombardements gegen Daesh (IS) eingemischt hat. Mittlerweile ist dieser ganze Konflikt zu einem reinen Stellvertreterkrieg angewachsen.

„Stellvertreterkrieg beenden“, TAZ, 24.10.2015, http://www.taz.de/!5241615/

Die hohe Zahl an Flüchtlingen war 2015 einer der Hauptgründe für den noch weiter wachsenden Rechtspopulismus, Rechtsradikalismus, Rassismus und Islamphobie, die mittlerweile schon in reine Gewalt umschlagen. Durch schüren grundlegender Existenzängste, überzogenen oder erfundenen Darstellungen von Vorkommnissen, der allgemeinen Degradierung der Presse zur „Lügenpresse“ (wie schon von Goebbels bekannt), sowie einer Flut von Falschmeldungen in den sozialen Medien, sammeln Pegida, Legida, AfD usw. die ewig Unzufriedenen, die Egoistischen, die Paranoiden, kurz: den braunen Bodensatz der Gesellschaft, um sich. Kaum ein Mittel ist zu dreckig, um das Stimmvieh für ihr dreckig-braunes Gedankengut zu gewinnen, seien es erfundene Vergewaltigungen oder angeblich geschächtete Zootiere (u.a. in Erfurt).

Hier mal zwei Beispiele:

http://www.augsburger-allgemeine.de/neuburg/Erfundene-Vergewaltigungen-Unbekannte-hetzen-gegen-Fluechtlinge-id35600752.html

http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Fluechtlinge-Soziale-Netzwerke-Vergewaltigung;art129810,8955431

2015 wurde es, dank den Rettern des Abendlandes, kaum noch in den sozialen Medien unterscheidbar, welche Nachricht wahr und was erfunden ist. Die Beschuldiger der Presse sind selbst zur Lügenpresse geworden, wenn man an deren einschlägige Internetseiten denkt, wozu einige Verlage und Zeitungen zählen.

Dass nun auch noch wahre Vorkommnisse, wie die sexuellen Übergriffe in Köln zu Silvester, an denen mutmaßlich auch Flüchtlinge beteiligt waren, als Brandbeschleuniger wirken, kann man sich an einer Hand ausrechnen. Obwohl weder die Täter bekannt sind, noch überhaupt klar ist, welche Anzeigen bei der Polizei wahr sind, so waren die sexuellen Belästiger natürlich „die Muslime“ und „die Flüchtlinge“.

Natürlich müssen die sexuellen Übergriffe und Diebstähle geahndet werden. Natürlich steht es niemanden zu einen anderen Menschen sexuell zu belästigen. Darüber muss man nicht diskutieren. Diskutieren muss man aber, wenn behauptet wird, alle Flüchtlinge wären kulturell oder religiös bedingt Sexisten und Vergewaltiger: Das ist purer Rassismus. Eine absolut unzulässige Verallgemeinerung. (Selbst rechnerisch wird die Absurdität klar: bei 1.000.000 Flüchtlingen wären 1000 Sexisten gerade mal 1 Prozent… Unter einer Million Deutschen findet man wahrscheinlich ohne Probleme ein Prozent Grapscher.)

Aber ich will nicht abschweifen. Der offensichtliche Rassismus und Egoismus in den europäischen Gesellschaften war 2015 für mich die Hauptursache für Sorge und Wut. Nicht zu vergessen aber auch, dass Europa sich gerade selbst zerlegt. Seit der Griechenlandkrise brökelt es an allen Ecken. Die einzelnen Nationen versuchen mit aller Kraft ihre Eigenständigkeit zu sichern, statt, wie es folgerichtig wäre, diese Eigenständigkeit für ein geeintes Europa zu geben. So wird das Europäische Parlament zum zahnlosen Tiger, der zwar Gesetze machen kann, an die man sich aber nur hält, wenn es einem gerade passt oder wenn es dafür Geld gibt.

Wahrscheinlich ist auch diese Entwicklung eine Folge des wachsenden Egoismus durch die wachsende Distanz zu Gott. Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Im Diesseits, wie im Jenseits.

Persönlich war 2015 wenig aufregend. Ende März exmatrikulierte ich vorzeitig an der Uni Erfurt, wodurch leider auch die Finanzierung der Assistenz hing. Nach 3,5 Jahren musste ich aus diesem Grund auch meinen Assistenten entlassen. Im Sommer fehlte mir die Stelle weniger, doch jetzt, im Winter, macht es sich enorm bemerkbar. Anders gesagt: Momentan habe ich Hausarrest, da der Frost meinem E-Rollstuhl zu schaffen macht.

2015 war aber auch ein Jahr zum Kraft tanken. Nach den häufigen Erkältungen 2014 brauchte ich das auch dringend. Alhamdulillah, die Ruhe tat gut und ich konnte meine Zeit unserer Maus widmen, die mich auch brauchte. Häufig übernachtete sie bei mir, da sie, mit ihren fast 5 Jahren, schon erstaunlich selbstständig ist. Jedenfalls bei mir.

Ansonsten gibt es von 2015 kaum noch etwas zu erzählen. Für 2016 habe ich mir etwas mehr Beschleunigung vorgenommen. Ich habe bereits begonnene und neue Ideen, die ich endlich auch umsetzen möchte.

InshaAllah.

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